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Projekte > Martberg

Heiligtum und Siedlungszentrum der Treverer, der Martberg bei Pommern a. d. Mosel

Kultbezirk

Hoch über der Mosel erhebt sich bei Pommern und Karden (Kr. Cochem-Zell) das Bergplateau des Martbergs (Abb. 1). Noch heute zeugt sein Name von der Verehrung des römischen Gottes Mars in einem weitläufigen Tempelbezirk, dessen Fundamente Archäologen seit 1994 freilegen. Schon immer machte der Berg durch außergewöhnliche Funde von sich reden. Münzen und Metallgegenstände waren hier zu Tausenden im Acker zu finden, es stand außer Frage dass hier ein für die Region bedeutsames Heiligtum verborgen war.

Abb. 1: Terrassenfläche des Mart- und Hüttenbergs an der Mosel und Lage des Tempelbezirks.

Unter den Fundamenten mehrerer römischer Tempelbauten des 1. bis 4. Jahrhunderts n. Chr. fanden sich Spuren spätkeltischer und frührömischer Kultanlagen. Hier hatten die Treverer - ein keltischer an der Mosel lebender Stamm - ihren Göttern die Waffen besiegter Feinde und sowie Gold- und Silbermünzen geopfert. Unwiederbringlich sollte das Opfer sein, so verlangte es der Ritus, die Waffen wurden zerstört, die Münzen zerhackt. Das Heiligtum selbst befand sich im Zentrum einer ca. 20 ha großen stadtähnlichen Anlage der Treverer. Aufwändig war das Bergplateau mit einer kilometerlangen Befestigung gesichert. Cäsar spricht von einem Oppidum. Keltische Fürsten residierten auf dem Martberg, der größten keltischen Siedlung des Treverergebietes und beherrschten von hier aus das gesamte Gebiet der Untermosel. Ihre Macht fand mit den Eroberungen Caesars ein Ende.

Der römische Respekt vor den einheimischen keltischen Göttern wird an dem Ausbau der ehemals keltischen Kultanlage deutlich. Zahlreiche Tempel, zunächst in Holz-, ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. in Steinbauweise, wurden errichtet. Typisch für die Region ist der so genannte Umgangstempel. Turmartig erhebt sich die Cella, in der sich das Allerheiligste, die Statue oder ein Altar der verehrten Gottheit befand. Um die Cella verlief ein Säulenumgang und bot Platz für Prozessionen der den Tempelbezirk aufsuchenden Pilger. Knapp 10 000 Münzen, Hunderte von Gewandspangen und Tausende von Opfergefäßen belegen eindrucksvoll die Bedeutung des Heiligtums für die romanisierte ansässige Bevölkerung. Von römischen Festbanketten zu Ehren der Gottheit, von Trank und Gefäßopfern zeugen zahllose Gefäßscherben.

 Abb. 2: Kombination der Grabungsergebnisse 1994-2002, der 	Grabung 1885 und der Geomagnetik. A: Grabenanlage, B: Spitzgraben, C: monumentale Abb. 2: Kombination der Grabungsergebnisse 1994-2002, der Grabung 1885 und der Geomagnetik. A: Grabenanlage, B: Spitzgraben, C: monumentale Pfostenbauten, D: antike Verkehrsachse. Rekonstruktionen: Spätaugusteische Holzbauten darunter Ausbauphase im 3 Jh. n. Chr.

Projekt Martberg - Zielsetzung

Seit 1994 erfolgen auf dem Martberg archäologische Untersuchungen unter Leitung des Landesamtes für archäologische Denkmalpflege in Koblenz. Die Ausgrabungen werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Forschungsprojektes Romanisierung finanziert. Ziel ist es, durch Ausgrabungen und interdisziplinäre Forschungen den Übergang von keltischer zur römischen Epoche in den römischen Provinzen entlang des Rheins und der Mosel untersuchen. Durch die vollständige Freilegung des Heiligtums auf dem Martberg wurde eine repräsentative Vorstellung zur Zeitstellung, Größe und Funktion eines ländlichen Heiligtums gewonnen. Die Forschungsgrabung wird von botanischen und zoologischen Untersuchungen der Universität Kiel begleitet, sie vermitteln Einblicke in Ackerbau und Versorgungslage vor 2000 Jahren. Eine besondere Bedeutung kommt den keltischen und römischen Münzen im Kult zu. Numismatiker der Universität Frankfurt versuchen die Rolle des Martbergs als Münzprägestätte und regionales Zentrum zu klären. Geophysiker erfassen mit ihren Messungen die verborgenen Spuren der auf dem Bergplateau errichteten stadtähnlichen Siedlung der Kelten.

Die Zusammenarbeit von Archäologie, Numismatik und Naturwissenschaften gibt eine modellhafte Vorstellung zum Kulturwandel um die Zeitwende in unserer Region. Dieser Übergang vollzieht sich bruchlos, die ortsansässige keltische Bevölkerung, allen voran die keltische Elite übernimmt in den Jahrzehnten vor der Zeitwende römische Errungenschaften und setzt dabei eigene Akzente, die spätkeltische Epoche wird von der gallo-römischen abgelöst.

Ausgrabung

Der Tempelbezirk auf dem Martberg war im 19. Jh. durch das damals zuständige Rheinische Landesmuseum unter der Leitung von J. Klein freigelegt worden. Die damaligen Ausgrabungen orientierten sich an erhaltenen teils obertägig sichtbaren Mauern. Erst durch die moderne Landwirtschaft waren im 20. Jh. sämtliche Fundschichten verloren gegangen. Die archäologischen Untersuchungen innerhalb des Tempelbezirks wurden 1994 wieder aufgenommen. Der außergewöhnliche Fundreichtum auf dem Martberg hängt in erster Linie mit der vergleichsweise guten Erhaltung der Tempelanlage zusammen. Bei einer längeren Beackerung und stärkerer Erosion, wie im Nordwestteil des Heiligtums zu beobachten, wären nahezu alle Kleinfunde verloren gegangen. Lediglich ein geringer Prozentsatz des Fundgutes stammt aus tiefen Strukturen, die Masse fand sich in antiken Schuttschichten, Sondagen der Grabung Klein und im Ackerhorizont.

Geomagnetische Messungen

Die geomagmetische Prospektion bietet eine kostengünstige Möglichkeit ohne teure und langwierige Bodeneingriffe Informationen zur Ausdehnung und Lage von Bodendenkmälern zu erlangen. Dabei werden Widerstandsmessungen im Boden durchgeführt und Jahrtausendalte Bodenmeingriffe sichtbar. Zu den herausragenden Ergebnissen der Erforschung des Martbergs gehört die geophysikalische Untersuchung einer 15 ha großen Fläche im Nordostteil des Bergplateaus. Nach Auswertung des Messbildes zeichnen sich mindestens 1200 Gruben unterschiedlichster Größe (1-18 m) und etwa 2600 Pfostenspuren ab (Abb. 2). Pfostenspuren bleiben im Messbild in der Regel unerkannt. Ursächlich hierfür ist der mangelnde Kontrast zwischen dem Befund und seiner Umgebung zum anderen eine geringe Größe des Befundes. Dass die Befunde auf dem Martberg in einer bemerkenswerten Deutlichkeit hervortreten liegt paradoxerweise an ihrer weitgehenden Zerstörung. Unmittelbar unter einer etwa 20-30 cm dünnen Ackerkrume treten die Befunde zutage.

Abb. 3: Archäologiepark auf dem Martberg.

Archäologiepark

Mittlerweile ist auf dem Martberg ein Archäologiepark entstanden (Abb. 3). Tempelbauten und Wandelhalle des 3. Jh. wurden nachgebaut, ebenso ein keltischer Pfostenbau. Die Anlage ist frei zugänglich. Weitere Informationen zur Geschichte des Heiligtums unter www.martberg.de, sowie im Infozentrum Martberg in Pommern und dem Stiftsmuseum Karden, hier sind zahlreiche Funde des Martbergs ausgestellt.

 

M. Thoma

Literatur zum Martberg:

  • Ders., Alltag im Schatten der Götter – Zur römischen Besiedlung des Martbergs bei Pommern an der Mosel (Kr. Cochem-Zell). Rheinland-Pfalz 2004 (Mainz 2004).
  • A. Haffner, Der Mart- und Hüttenberg bei Pommern / Karden, ein Oppidum im östlichen Treverergebiet. In: Trier - Augustusstadt der Treverer. Stadt und Land in vor- und frührömischer Zeit. Ausstellungskatalog Trier (Mainz 1984).
  • J. Klein, Der Martberg bei Pommern an der Mosel und seine Kultstätte. Bonner Jahrb. 101, 1897.
  • H. Merten, Der Kult des Mars im Trevererraum. Trierer Zeitschr. 48, 1985
  • C. Nickel / M. Thoma, Ein neuer Tempel aus dem Heiligtum auf dem Martberg bei Pommern a. d. Mosel; Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel 10 Trier 2005.
  • M. Thoma, Der gallo-römische Kultbezirk auf dem Martberg bei Pommern an der Mosel, Kr. Cochem-Zell. In: Haffner/von Schnurbein (Hrsg.), Kelten, Germanen, Römer im Mittelgebirgsraum zwischen Luxemburg und Thüringen. Koll. Vor- u. Frühgesch. 5 (Bonn 2000).
  • Ders., Häuser der Götter. Arch. Deutschland 3/2001.
  • Ders., Der Martberg bei Pommern an der Mosel, Kr. Cochem-Zell – Heiligtum und Siedlungszentrum der Treverer. Arch. Rheinland-Pfalz 2002 (Mainz 2003).
  • Ders., Keltischer Versammlungsplatz, Kultbezirk und gallo-römische Tempelanlage -das Heiligtum und Siedlungszentrum der Treverer auf dem Martberg bei Pommern a. d. Mosel (Rhl.-Pf.). Leibziger online-Beiträge zur Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie 16 (Leibzig 2004).
  • Ders., Weissagung und Auslosung, römische Ziffernkugeln an der Mosel. Arch. Rheinland-Pfalz 2004 (Mainz 2004).
  • Ders., Alltag im Schatten der Götter – Zur römischen Besiedlung des Martbergs bei Pommern an der Mosel (Kr. Cochem-Zell). Rheinland-Pfalz 2004 (Mainz 2004).
  • Ders., Der Beitrag des Martbergs von Pommern zur Frage der Kontinuität vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis in spätrömische Zeit. In. R. Cordie (Hrsg.) Zusammenfassung Vorträge Internationale Tagung „ 50 Jahre Grabungen und Forschungen in Belginum“ (Leipzig 2004).
  •  Ders., Heiligtum und Siedlung - Zur Entwicklung des gallo-römischen Kultbezirks und der spätkeltischen Siedlung auf dem Martberg bei Pommern a. d Mosel (Kr. Cochem-Zell).Trierer Zeitschrift 2005.
  • Ders., Zur spätkeltischen Besiedlung des Martbergs bei Pommern an der Mosel (Kr. Cochem) - Vorbericht zur Ausgrabung 2005. Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel 11 Trier 2006.
  • H.-H. Wegner, Der Martberg bei Pommern an der Mosel. Archäologie an Mittelrhein und Mosel 12 (Koblenz 1997).
  • D. Wigg, Der Beitrag des Martbergs zur eisenzeitlichen Numismatik. In: Haffner/von Schnurbein (Hrsg.), Kelten, Germanen, Römer im Mittelgebirgsraum zwischen Luxemburg und Thüringen. Koll. Vor- u. Frühgesch. 5 (Bonn 2000).
  • Ders., Der Martberg bei Pommern. In: M. R. Alföldi / H.-M- von Kaenel, Die Fundmünzen der römischen Zeit in Deutschland. Abt. IV Rheinland-Pfalz (Mainz 2005).

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